Lagerwirtschaft – fit für die Schulaufgabe
Kurze Erklärungen, viele Beispiele aus deinen Unterlagen, sofort selbst rechnen. Geh die Kapitel der Reihe nach durch.
Tag 2: Kapitel 4–6 (Ø-Bestand, Umschlag, Lagerdauer).
Tag 3: Kapitel 7–8 (Bezugskalkulation, Diagramm & Schaltungen) + Test + Spickzettel.
Lagerkosten: fix oder variabel?
Ein Lager kostet Geld. Diese Kosten teilt man in fixe und variable Kosten.
Fixe Kosten
Unabhängig von der Lagermenge. Sie bleiben gleich, egal wie viel im Lager liegt.Personal, Lagerraum-Miete, Heizung, Versicherung.
Variable Kosten
Abhängig von der Lagermenge. Mehr Ware = mehr Kosten.Verderb, Schwund, Zinsen aufs gebundene Kapital, Verpackung.
Die 5 Lagerkostengruppen
| Gruppe | Beispiele |
|---|---|
| Personal | Löhne, Weihnachtsgeld, Sozialversicherung der Lagerarbeiter |
| Lagerräume | Miete, Heizung, Strom, Reinigung, Versicherung |
| Gelagerte Ware | Verderb, Schwund, Diebstahl, Zinsen aufs gebundene Kapital |
| Betriebsmittel | Gabelstapler: Wartung, Reparatur, Abschreibung |
| Material | Büromaterial, Verpackung (Kartons, Klebeband) |
Übung: Ordne zu (aus Aufgabe 1.1)
Tippe eine Karte an, dann tippe die passende Gruppe.
Aufgabe: Miete 2.500 €, Strom 400 €, Personal 6.000 €, Verpackung 1.200 €, Verderb 800 €, Zinsen aufs Lagerkapital 1.100 €. Berechne fixe + variable Kosten, Gesamtkosten und den Prozentanteil der variablen Kosten.
Lösung
3.000 + 5.500 + 600 = 9.100 €Lagerrisiken
Je mehr und je länger Ware liegt, desto höher das Risiko, dass sie an Wert verliert. Vier Risiken solltest du sicher zuordnen können.
| Risiko | Was passiert | Typische Ware |
|---|---|---|
| Technischer Fortschritt | Neue Produkte lösen alte ab | Smartphones, Elektronik |
| Mode / Trend | Ware wird zum „Ladenhüter" | Kleidung, Saisonware |
| Qualität | Ware verschlechtert sich (Rost, Verblassen) | Stahl, Farben |
| Verderb | Ware wird ungenießbar | Lebensmittel: Fisch, Milch, Obst |
Situation: 200 Winterjacken bleiben übrig und sind nächste Saison wohl unverkäuflich.
Zwei wirtschaftliche Folgen:
- Hohe Kapitalbindung – das Geld steckt in den Jacken und fehlt für anderes.
- Weiterlaufende Lagerkosten – Raum, Versicherung, Zinsen, obwohl die Ware kaum noch verkäuflich ist (Risiko Mode/Trend).
Maßnahme: Saisonschlussverkauf mit kräftigen Rabatten oder Verkauf über Outlet/Restpostenhändler. So holt man wenigstens einen Teil des Kapitals zurück und räumt das Lager. Künftig: kleinere Bestellmengen.
Mindest-, Melde-, Höchstbestand
Das ist das Herzstück. Drei Bestände + zwei Formeln.
| Bestand | Bedeutung |
|---|---|
| Mindestbestand (eiserner Bestand) | Notreserve, nur im Notfall unterschreiten. Oft als „x-facher Tagesverbrauch". |
| Meldebestand | Hier muss neu bestellt werden (= Bestellzeitpunkt). |
| Höchstbestand | Obergrenze – so voll wird das Lager nach Lieferung höchstens. |
Formel 1: Meldebestand
Aufgabe: Tagesverbrauch 5 Stück, Lieferzeit 6 Tage, Mindestbestand 15 Stück. Meldebestand?
Aufgabe: Eiserner Bestand 2.000 t. Pro Arbeitswoche (5 Tage) gehen 350 t in die Produktion. Lieferzeit 6 Tage, Bearbeitung der Bestellung 3 Tage. Meldebestand?
Formel 2: Bestellmenge
Aufgabe: Platz für 80 Trainingsanzüge (Höchstbestand), Mindestbestand 15 Stück. Bestellmenge?
Lösung
(15 × 5) + 60 = 75 + 60 = 135 FlaschenLösung
250 − 60 = 190 FlaschenDurchschnittlicher Lagerbestand
Die wichtigste Grundzahl – Umschlag und Lagerdauer bauen darauf auf.
Einfache Variante (nur 2 Werte)
Genaue Variante (mit Monatswerten)
Aufgabe: Anfangsbestand 80 Stück. Die 12 Monatsendbestände: 75, 41, 62, 76, 56, 48, 42, 77, 75, 32, 48, 68. Ø Lagerbestand?
Lösung
(600 + 1.200) ÷ 2 = 900 €Lösung
(750 + 14.200) ÷ 13 = 14.950 ÷ 13 = 1.150 €Lagerumschlagshäufigkeit
Wie oft wird das Lager pro Jahr komplett verkauft? Hoch = gut.
Aufgabe: Verkauf 1.200 Anzüge, Ø Lagerbestand 60 Stück. Umschlag?
Lösung
6.900 ÷ 1.150 = 6Situation: Umschlag bei Sporttaschen sinkt: Q1 12,2 → Q2 12,0 → Q3 11,5 → Q4 11,0.
Entwicklung: Der Umschlag sinkt über das Jahr stetig. Die Taschen bleiben also länger im Lager – das ist ungünstig (mehr Kapitalbindung, höhere Lagerkosten).
Mögliche Gründe:
- Nachfrage ist gesunken (weniger Kunden, Modewechsel).
- Zu hohe Bestellmengen / zu viel eingekauft.
- Neue Konkurrenz oder veraltetes Sortiment.
Zwei Maßnahmen zur Erhöhung des Umschlags:
- Bestände senken (kleinere Mengen bestellen) → Ø-Bestand sinkt → Umschlag steigt.
- Absatz ankurbeln (Werbung, Rabatte) → mehr Verkauf → Umschlag steigt.
Entscheidung (Beispiel): Bestände senken ist meist schneller und günstiger umzusetzen als eine teure Werbeaktion – daher zuerst die Bestellmengen reduzieren.
Durchschnittliche Lagerdauer
Wie viele Tage liegt ein Artikel im Schnitt im Lager?
Aufgabe: Umschlag 20. Lagerdauer?
Lösung
360 ÷ 6 = 60 TageAufgabe: Anfangsbestand 144 Stück. Monatswerte: 14, 12, 40, 27, 34, 37, 48, 11, 37, 28, 88, 21. Jahresabsatz 221 Stück. Berechne Ø-Bestand, Umschlag, Lagerdauer.
Einstandspreis / Bezugskalkulation
Was kostet die Ware am Ende wirklich? Immer dasselbe Schema, Schritt für Schritt.
| Position | Rechnung |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis | Startwert |
| − Rabatt | Prozent vom Listenpreis abziehen |
| = Zieleinkaufspreis | |
| − Skonto | Prozent vom Zieleinkaufspreis abziehen |
| = Bareinkaufspreis | |
| + Bezugskosten | Fracht, Verpackung, Transport dazu |
| = Bezugspreis (Einstandspreis) | Endergebnis |
Aufgabe: 100 T-Shirts à 7,40 € frei Haus, Verpackungspauschale 10 €, 2 % Skonto. Einstandspreis für 100 Stück?
Aufgabe: 100 T-Shirts à 8,40 € inkl. Verpackung, 15 % Mengenrabatt, + 0,10 € Transport pro Stück. Einstandspreis?
Warum trotzdem evtl. der teurere Anbieter? Nicht nur der Preis zählt: Lieferzeit, Zahlungsziel, Qualität, Zuverlässigkeit und Service können den Ausschlag geben.
Lösung
800 − 5 % (40) = 760 €; + 5 € = 765 €Lösung
1.000 − 20 % (200) = 800 €; − 3 % (24) = 776 €; + 204 € = 980 €Das Sägezahn-Diagramm & die große Schaltungs-Aufgabe
Hier kommt alles zusammen. Diese Aufgabentypen sind im Test besonders punkteträchtig.
Das Lagerbewegungs-Diagramm verstehen
Der Bestand sinkt durch Verbrauch (schräge Linie nach unten), springt bei Lieferung wieder hoch. Daraus ergibt sich die typische „Sägezahn"-Form mit drei waagerechten Linien.
Sobald die Linie den Meldebestand (orange) erreicht → bestellen. Bis die Lieferung kommt, sinkt der Bestand weiter Richtung Mindestbestand.
Die große Schaltungs-Aufgabe
Gegeben: Tagesabsatz 36 Schaltungen. Mindestbestand soll die Fertigung 25 Tage sichern. Lieferzeit 10 Tage. Optimale Bestellmenge 1.440 Stück.
Gesucht: a) Mindestbestand b) Meldebestand c) Höchstbestand d) Bestellzeitpunkt in Stück e) Bestellzeitpunkt in Tagen
Lösung
36 × 25 = 900 StückLösung
900 + 1.440 = 2.340 StückLernkontrolle – wie in der Schulaufgabe
Stift, Papier, Taschenrechner. Erst selbst rechnen, dann Lösung prüfen.
Anfangsbestand 750 €, Summe der 12 Monatsendbestände 14.200 €, Warenabsatz 6.900 €. Berechne Ø-Bestand, Umschlag, Lagerdauer.
Eiserner Bestand 2.000 t, Verbrauch 350 t pro 5-Tage-Woche, Lieferzeit 6 Tage, Bearbeitung 3 Tage. Meldebestand?
100 Hocker, Listenpreis 38 €/Stück, 5 % Rabatt, frei Haus, 2 % Skonto. Einstandspreis für 100 Stück?
Tagesabsatz 36, Mindestbestand für 25 Tage, Lieferzeit 10 Tage, optimale Bestellmenge 1.440. Berechne a)–e) wie in Kapitel 8.
Spickzettel
Alle Formeln auf einen Blick – dein Lernblatt für den Abend vorher.
Formeln
Ziel-EK − Skonto = Bar-EK
Bar-EK + Bezugskosten = Bezugspreis
Merksätze
- Fix = mengenunabhängig (Miete, Personal). Variabel = mengenabhängig (Verderb, Zinsen, Verpackung).
- Kapitalbindung = Geld steckt in der Ware, ist erst nach Verkauf wieder frei → zählt als Kosten.
- 12 Monate → durch 13 teilen.
- Lieferzeit + Bearbeitungszeit addieren, wenn beide genannt sind.
- Hoher Umschlag = gut → kurze Lagerdauer → niedrige Kosten.
- Risiken: Smartphone→Technik · Kleidung→Mode · Stahl→Qualität · Lebensmittel→Verderb.
- Skonto vom Zieleinkaufspreis abziehen, nicht vom Listenpreis. „Frei Haus" = keine extra Bezugskosten.
Reihenfolge bei „Berechne alles"
- Ø Lagerbestand
- Umschlag = Warenabsatz ÷ Ø-Bestand
- Lagerdauer = 360 ÷ Umschlag